Tagesstätte für behinderte Jugendliche

Bobrujsk
Belarus
Aktives Projekt

Die von Lifeline aufgebaute und jetzt finanzierte Tagesstätte wurde im Juni 2019 eröffnet und bietet bis zu 30 behinderten Jugendlichen einen Ort, an welchem sie sich unter fachlicher Betreuung treffen.

Bobrujsk liegt im Südosten von Belarus an der Beresina, umgeben von Agrarlandschaft, Seen und Wäldern. Die Stadt mit seinen ca. 220'000 Einwohner ist die drittgrösste Stadt in Belarus (ca. 9.5 Millionen Einwohner), einem Land, in dem infolge von u.a. Stalin, Hitler und Tschernobyl ein Trauma in ein anderes übergeht. Historiker nennen es "Bloodlands".

Die Stadt hat eine bewegte und traurige Geschichte. Vor 1944 waren die Einwohner zu ca. 60% Juden. Heute sind sie eine sehr kleine Minderheit. Einige alte Bauten erinnern an diese prosperierende, vergangene Zeit. Die Stadt ist gewachsen, Plattenbausiedlungen mit modernen Einkaufszentren prägen das Stadtbild und das grösste Reifen- und Traktorenwerk von Belarus sowie eine moderne Fleischverarbeitungsfabrik bieten vielen Bewohnern einen Arbeitsplatz.
Während einer unserer Besuche bei der jüdischen Gemeinde «Rachamim» im Jahre 2010 lernten wir die dortige Tischtennismannschaft kennen, deren Mitglieder aus Jugendlichen mit Down-Syndrom bestand. Die Mannschaft hatte an den  Paralympischen Sommerspielen 2008 in Peking eine Medaille gewonnen und wurde bis anhin von einem bekannten belarussischen Tischtennisspieler trainiert. Nachdem man uns mitteilte, dass das Geld für den Trainer nicht mehr zur Verfügung stünde, hat Lifeline spontan diese Kosten übernommen.

Dieses Erlebnisses sensibilisierte uns für die grossen Probleme in Belarus. Wenige Monate später besuchten zusammen wir mit einem befreundeten Kinderarzt aus Österreich eine grosse Anzahl von Jugendlichen mit schweren Behinderungen. Schnell wurde uns klar, dass diesen Jugendlichen, die meist ohne jeglichen sozialen Kontakt zur Aussenwelt und ohne medizinische und therapeutische Betreuung ein armseliges Leben in ihren vier Wänden fristen, geholfen werden muss. Die Idee einer Tagesstätte, in welcher sich die Jugendlichen unter fachlicher Betreuung treffen, kommunizieren und spielen können und gleichzeitig ihre Eltern für ein paar Stunden von der Fürsorge entlastet werde, wurde geboren.

Nach vielen Treffen mit den Behörden auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene wurde die Tagesstätte schliesslich am 28. Juni 2019 in Anwesenheit der belarussischen Politik und Medien sowie von Vertretern von Lifeline feierlich eröffnet, hier der Bericht des belarussischen Staatsfernsehens: https://www.youtube.com/watch?v=4o377FyYK1o.

Unsere Tagesstätte – bei vielen auch "Warmes Haus" genannt – ist für 30 Jugendliche konzipiert und täglich geöffnet. Sie bietet schwerst behinderten Jugendlichen die Möglichkeit aus ihrer Isolation für einige Stunden auszubrechen und unter fachlicher Betreuung, soweit möglich, therapeutische Massnahmen zu erhalten. Gleichzeitig sollen die Eltern von der stetigen Aufsicht ihrer Kinder entlastet werden.

Projektstatus

Ausgangslage

Ausgangslage

Ausgangslage: Während eines Besuches bei Familien mit behinderten Kindern lernten wir die tabuisierte Problematik dieser Jugendlichen kennen. Ohne jeglichen sozialen Kontakt zur Aussenwelt und ohne therapeutische Betreuung fristen sie ein armseliges Leben zu Hause.

Ziel

Ziel

Der Aufenthalt in der Tagesstätte soll die Isolation dieser Jugendlichen reduzieren und helfen, sie – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – weiterzuentwickeln. Gleichzeitig sollen ihre Mütter stundenweise etwas entlastet werden.

Aktueller Stand

Aktueller Stand

Das Medienecho auf die Eröffnung der für die Bedürfnisse der Besucher umgebaute und renovierte Tagesstätte war gross; einige Delegationen aus Belarus und dem osteuropäischen Ausland besuchten unsere Einrichtung und sie wurde zum Vorzeigeprojekt. Lifeline hat wohl vor allem mit ihrer Tagesstätte für mehrfach schwerst behinderte Jugendliche in Bobruisk eines der grössten Schweizer privaten humanitären Engagements in Belarus. Bereits wurde die Tagesstätte mehrmals in den lokalen Medien erwähnt. Für diese Jugendlichen ist dieser Ort zu einem "Heim" geworden, in welchem sie ohne die Aufsicht ihrer Eltern mit anderen Jugendlichen in ähnlichen Situationen spielen, sich austauschen oder einfach zusammensein können. Im vergangenen Betriebsjahr war die Tagesstätte voll belegt, Aus- und Weiterbildungen in heilpädagogischen Themen und Kinästhetik wurden durchgeführt. Auch die Eltern, vor allem Mütter und Grossmütter, die "Babuschkas", werden in die Ausbildung integriert. Mehrheitlich Frauen, da die Männer sehr oft die Familien mit Behinderten verlassen.

Projektinformationen

Tagesstätte wieder geöffnet

Autor
B.
Zucker
Datum
5.3.2021

Seit Januar 2021 ist unsere Tagesstätte wieder geöffnet.

Schliessung infolge Corona

Autor
B.
Zucker
Datum
21.1.2021

Von den politischen Entwicklungen wurde unsere Tagesstätte nicht tangiert, aber Corona machte auch vor ihren Türen nicht halt. In den letzten Wochen musste sie leider schliessen. Einige Eltern "gingen auf Distanz" und darüber hinaus liegen derzeit (Dezember 2020) vier Mitarbeiter mit Corona im Spital. Wir hoffen auf gesundere Zeiten, baldige Genesung und Wiedereröffnung unserer beliebten und notwenigen Tagesstätte.

Hoher Besuch in Minsk

Autor
B.
Zucker
Datum
5.3.2020

Im Februar 2020 eröffnete Bundesrat Ignazio Cassis die Schweizer Botschaft in Minsk. Dazu eingeladen waren Vertreter der Schweizer Politik und Wirtschaft und auch Betty Zucker von Lifeline. Von unsrem Projekt «Tagesstätte» zeigte sich unser Regierungsmitglied sehr beeindruckt.

Endlich – die feierliche Eröffnung

Autor
B.
Zucker
Datum
28.6.2019

Am 28. Juni 2019 wurde unsere Tagesstätte unter Beisein von Vertretern von Lifeline, des Bürgermeisters von Bobrujsk und vielen hohen Beamten sowie des weissrussischen Fernsehens eröffnet. Ein Alphornbläser aus der Schweiz eröffnete die Feier und lokale Tanzgruppen gaben dem Anlass eine folklorische Kulisse.

Ohne freiwillige Helfer geht es nicht

Autor
B.
Zucker
Datum
10.6.2019

Viele Eltern und freiwillige Mitarbeiter halfen beim Aufbau und der Gestaltung der Tagesstätte. Ohne diese freiwilligen Helfer hätten wir unser Ziel bestimmt nicht erreicht!

Ansprechpartner

Betty Zucker
"Wir (die Mütter) sind überglücklich über die Möglichkeit, unsere Kinder in die Tagesstätte zu bringen, Dort haben sie Kontakt zu anderen Jugendlichen und sind dort sehr fröhlich und zufrieden."